Der Anlass: besondere Kinder

Zunächst einmal soll das Buch natürlich Spaß machen.

Der Auslöser für mein Buch war der Kontakt mit besonderen Kindern. Sie verfügten über eine hohe Sensibilität und spezielle Begabung. Ich war als Klassenlehrerin gefordert, mich mit den Problemen, die besondere Eigenschaften mit sich bringen, auseinanderzusetzen. Als begeisterte Autorin war es für mich naheliegend, dass eine Geschichte, die diese Besonderheiten aufgreift, eventuell helfen könne. Sie würde den “betroffenen” Kindern vielleicht erleichtern, mit ihrer Situation umgehen zu lernen und den “nichtbetroffenen” Kindern vielleicht auch, indem sie sie besser verstehen lernten.

Durch die sympathische Figur der Lilo lernen die Kinder, Menschen mit speziellen und/oder außergewöhnlichen Begabungen und/oder hoher Sensibilität kennen, zu akzeptieren und nicht auszugrenzen. Vielleicht entdecken sie auch an sich etwas “Besonderes” – das ist gar nicht so schwer, wenn man genau hinschaut.

Das zweite Schwerpunktthema ist der Glaube an sich selbst und seinen eigenen Wert. Es ist für nicht begabte Kinder mindestens genauso wichtig wie für begabte zu erkennen, dass der Wert einer Person nicht von seinen Fähigkeiten oder Erfolgen abhängt, sondern von seinem Charakter und seinem Verhalten. Wenn die Kinder am Ende erkennen, dass jeder Mensch wertvoll ist, habe ich mein Ziel erreicht.

„Ein großer Fehler: dass man sich mehr dünkt, als man ist, und sich weniger schätzt, als man wert ist.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Laut Wikipedia ist Begabung oder Talent eine besondere Leistungsvoraussetzung einer Person. Meist sind das eine oder mehrere überdurchschnittliche Fähigkeiten. Wenn man auch davon ausgehen kann, dass fast alle Menschen mehr oder weniger begabt sind, so ist die Verwendung des Begriffs Begabung doch meist auf überdurchschnittliche Leistungsvoraussetzungen bezogen.
Nicht selten spricht man auch von einem Spitzentalent, um das Außerordentliche noch zu betonen. Begabungen sind so kunterbunt wie die Menschen. Es gibt

  • kognitive Begabungen (Intelligenz: Hochbegabung, Gedächtnis: fotografisches Gedächtnis, Mathematik: Logik, mathematisches Verständnis, Intuition: EQ)
  • Musik, Sprache, Unterhaltung (Sprachgefühl, Kunst, musische Begabung, Entertainment)
  • Bewegungskoordination (Sport, Handwerk, Geschicklichkeit, Reaktionsvermögen)
  • Organisationstalent (Organisation: Führung, Management, Marketing, Politik)

Lilo und Jonas haben besondere Gaben.
Sensibilität bezeichnet Einfühlungsvermögen bzw. Empathie, die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, den „fünften Sinn“ in der Wahrnehmungspsychologie und auch das Fühlen, die sogenannte Hochsensibilität als gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit.
Hochsensibilität ist laut Wikipedia ein von der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron 1997 postuliertes psychisches Phänomen, bei dem Betroffene stärker als der Populationsdurchschnitt auf Reize reagieren, was u.a. leichter zu „Überstimulation“ (schlicht: Reizüberflutung) führt. Erklärt wird diese, von Aron sensory processing sensitivity genannte höhere Empfindlichkeit durch eine besondere Konstitution der Reize verarbeitenden neuronalen Systeme; plastisch ließe sich sagen, dass die Sinnesorgane nicht mehr Informationen aufnehmen, dass aber weniger Sinneseindrücke aus der Wahrnehmung herausgefiltert werden. Die von ihr genannte Zahl von 15 bis 20% Highly Sensitive Persons (kurz: HSP) in den menschlichen Gesellschaften wird regelmäßig aufgrund individueller Wahrnehmung in Frage gestellt.

Unsere Lilo ist hochsensibel. Daher hat sie ihre ganz eigene, von der Norm abweichende Wahrnehmung.

Man spricht im Allgemeinen von Hochbegabung, wenn eine weit über dem Durchschnitt liegende intellektuelle Begabung eines Menschen vorliegt. Menschen, deren Intelligenzquotient mindestens 130 beträgt, bezeichnet man als „hochbegabt“ und dies betrifft etwa 2,2% der Bevölkerung. Diese eingeschränkte Definition wird jedoch von Fachleuten nicht unkritisch gesehen. Es existiert eine ganze Reihe von erweiterten Theorien und Modellen, die von engeren Auffassungen bis hin zu weiter geführten Definitionen, die die Leistung, das Talent oder auch Kreativität einbeziehen, reichen. Hochbegabung oder auch Intelligenz sind konstruierte Begriffe von Menschen, die durch die wissenschaftliche Hochbegabtenforschung immer wieder neu untersucht, interpretiert, ergänzt, beschränkt oder erweitert werden.

Welche Auswirkungen hat es, wenn jemand hochbegabt ist?
Zunächst einmal kann man keine generelle Aussage machen. Es gibt Menschen mit Hochbegabung oder Teilbegabungen, die keine Probleme haben. Manchmal jedoch ist eine Hochbegabung der Grund, wenn ein Kind z.B. in der Schule oder zuhause auffällig depressiv oder aggressiv wird und es lohnt sich genauer hinzuschauen, was das Kind braucht, damit es ihm (wieder) gut geht.
Ein Beispiel aus der Schule: Man muss sich doch nur mal vorstellen, man müsste ein halbes Jahr lang jeden Tag Buchstaben des Alphabets lernen – wenn man es schon kann. Jeder Erwachsene kann sich sicher vorstellen, dass man (wenn man wirklich gezwungen wird, das ein halbes Jahr ruhig mitzumachen) fast durchdrehen würde. Manchen hochbegabten Kindern ergeht es genauso. Einige werden dann eher depressiv, ziehen sich zurück und schalten komplett ab bzw. auf ein anderes inneres Programm um, um sich zu schützen. Andere werden aggressiv, weil sie es nicht aushalten. Es kommt darauf an, wie angepasst ein Kind ist. Nimmt es die Situation hin oder lehnt es sich auf. Hier sind Lehrer  und Eltern gefordert auch mal den Gedanken in Richtung Hochbegabung zuzulassen.

Yvonne Kopf

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